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Jewgenij | 2018 - 2019
Tragödie des Rechts

Uraufführung: 29. Mai 2019 / Hamburger Sprechwerk

JEWGENIJ- Tragödie des Rechts

Die Sowjetunion vor der Revolution. Armut, Hungersnot, vom ersten Weltkrieg gebeutelt. Der Zar nimmt der bäuerlichen Landbevölkerung den Großteil ihrer Ernte, es gibt kaum urbane Zentren, Bildung - Fehlanzeige. Unzufriedenheit mit dem feudalen System, der Ausbeutung und Willkürherrschaft des Zaren regt sich nicht nur unter den unzähligen Armen, sondern auch unter der „Intelligenzija“ – der bürgerlich-gebildeten Oberschicht. Revolution!

Nach dem Sturz des Zaren: Eine Zeit des Aufbruchs, der Veränderung, tabula rasa – das Alte ist abgeschafft, plötzlich scheint alles möglich. Der Preis ist hoch: Bürgerkrieg, Tausende Tote. Ein Zustand, indem der Traum von der Freiheit und die Gewalt Hand in Hand gehen.

 

In Mitten dieser Zeit betritt JEWGENIJ die Bühne der politischen Erneuerung. Rechtstheoretiker und Visionär der frühen Sowjetunion, ein moderner Faust. Teil jener Kraft, die das Gute will und dabei das Böse schafft. Ein nach Macht strebender Mensch, wie wir alle. Kein Held, kein Märtyrer, dennoch politisches Opfer stalinistischer Säuberungen – liquidiert, vergessen und verbannt.

 

Seine Thesen bezeichnen systematisch, und sein Schicksal steht exemplarisch für, die Tragödie des Rechts. Aber nicht nur für diese: Sondern für das Problem jeder Fetischisierung eines idealen (Zusammen-)Lebens, die – sobald sie mit einem Herrschaftsanspruch einhergeht – Macht- und Missbrauchspotenzial offenbart. Wir nennen diese obsessiven Denkmuster auch Religion, Gesundheitswahn oder Liberalismus.

 

"Krise des Rechtsstaats im 21. Jahrhundert" gesprochen. Was bedeutet das und was sind die Alternativen? Können wir aus der Vergangenheit lernen? Gibt es einen kollektiven Konsens oder spaltet sich die Gesellschaft? Werden Minderheiten geschützt oder verfolgt? Wer wird morgen Teil der Minderheit sein?

 

Das Recht ist dynamisch. Es passt sich den gesellschaftlichen Leitgedanken an. Schutz und Autorität wohnen dem Recht gleichermaßen inne. In  welche  Richtung  wird sich das Recht durch die  Krise des Rechts,  die zugleich eine  Krise der ganzen Gesellschaft  ist,  entwickeln?

 

Das Stück ist als Teil des (juristischen) Promotionsvorhabens von Daria Bayer bei Prof. Dr. Jochen Bung an der Universität Hamburg verfasst worden. 

Text // Daria Bayer
Regie // Philipp Eschenhagen + Daria Bayer
Jewgenij B. Paschukanis, Jurist, Philosoph, Parteifunktionär // Nicolas Gerling
Andrej J. Wyschinskij, Jurist, Vertrauter Stalins, Parteifunktionär // Mats Kampen
Pawel F. Judin, Jurist, Schüler von Jewgenij, Parteifunktionär // Paul Plümpe
Larissa M. Rejssner, Schriftstellerin und Revolutionärin // Leokadia Melchior
Michail A. Rejssner, Jurist, Theaterdirektor, Larissas Vater // Oleg Goldschmidt
Jekaterina A. Rejssner, Mutter von Larissa // Britta Boehlke
Sofja A. Paschukanis, Reedereibesitzerin, Frau von Jewgenij // Antonia Grosser
Fjodor F. Iljin (später Raskolnikow), Marineoffizier // Benedikt Bartylla
Wärter // Niklas Wolf
Prof. Dr. Rainer Gott // Nicolai Szeliga
Dr. Pascal Berger de la Ferrière, LL.M. (Harvard) // Philipp Eschenhagen
Prof. Anabel Arras, M.A. // Daria Bayer
Bühne // Anton von Bredow // unterstützt von Lea Burkhalter
Kostüm // Lili Avar
Assistenz // Hamein Jung und Octavia Ullmann
Produktion // kollektivimFenster

Gefördert von:
Andrea von Braun Stiftung
Unterstützt durch: Bucerius Law School
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